Philosophiegeschichte : Geschichte der chinesischen Philosophie: Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus

Geschichte der chinesischen Philosophie: Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus

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Wolfgang Bauers Gescichte der chinesischen Philosophie - Dieses posthume Werk des 1997 verstorbenen Sinologen Wolfgang Bauer füllt eine Lücke im deutschen Sprachraum. Im Gegensatz zur englischen Sinologie und zur bemerkenswerten Histoire de la pensée chinoise (1997) von Anne Cheng, gab es, außer der veralteten dreibändigen Geschichte der chinesischen Philosophie (1927/34/38) von Alfred Forke, bisher keine Gesamt-darstellung, die sowohl die angehenden Sinologiestudenten als auch die interessierten Laien ansprach. Wolfgang Bauer, seit 1966 Professor für Ostasiatische Sprachen und Kulturwissenschaft an der Universität München, erwarb sich weltweites Renommee durch sein Werk China und die Hoffnung auf Glück (1971). Hans van Ess, Bauers Lehrstuhlnachfolger, hat das unvollendete Manuskript nur geringfügig verändert und ergänzt. Bauer stellt eine Zweiteilung der Thematik in der chinesischen Philosophie fest: einerseits der Mensch in der Gesellschaft, und was sich daraus ergibt: Ethik, Rituale, Geschichte, Politik, andererseits der Mensch und die Kräfte der Natur. In der ersten Strömung kann man den Konfuzianismus und den Legismus, in der zweiten den Daoismus und den Buddhismus erkennen. Mit Konfuzius (551-479) kam ein neues Menschenbild auf, durch das der Mensch sich von der Geisterwelt und von der Religion loslöste. Neben der Betonung des Rituals und der Hierarchie stellte er einen Tugendkatalog auf, der das reibungslose Funktionieren der Familie und des Staates gewährleisten sollte. Unter seinen Nachfolgern bildeten sich zwei entgegengesetzte Pole heraus. Menzius wertete das Volk auf und glaubte an die natürliche Neigung des Menschen zum Guten. Xunzi hingegen behauptete, der Mensch sei von Natur aus böse. Nur wenn er sich von seiner Natur abwende, könne er durch Rechtlichkeit und Rituale das Ideal der Menschlichkeit erreichen. Mit der Errichtung eines zentralisierten Reiches unter den Han-Kaisern (206 v.u.Z. - 220 u.Z.) wurde der Konfuzianismus zur Staatsideologie. Im Gegensatz zum Konfuzianismus war der Daoismus eine Art Quietismus und Einsiedlerideologie, welche die Rituale ablehnte und den Rückzug aus der Gesellschaft und das Nichttun, d.h. nicht zielgerichtetes Handeln, empfahl. Nur dank der politischen Zersplitterung des Reiches nach dem Untergang der Han-Dynastie gelang es dem Buddhismus, in China Fuß zu fassen, und das trotz der fremden Herkunft seines gegen die Familie gerichteten Mönchtums und seiner abstrakten Philosophie. Er wurde erst akzeptiert, als er sich vollkommen sinisiert hatte. So entstanden neue Schulen, die eine Synthese von Buddhismus und Daoismus waren: der Chan (Zen), der Tiantai und der Jingtu (Schule der Reinen Erde). Leider ist dem Autor bei der Darstellung der Dreikörpertheorie ein peinlicher Schnitzer unterlaufen, der auch dem Herausgeber nicht aufgefallen ist: anstatt Nirmânakâya (Verwandlungsleib) schreibt er Nirvânakâya (Erlöschungskörper), was reiner Unsinn ist. Trotz einiger Mängel und Lücken, u.a. der Vernachlässigung der konfuzianischen Philosophen der Ming- und der Qing-Dynastie, bleibt Bauers Gesamtdarstellung die beste deutschsprachige Eínführung in die chinesische Philosophie.




Geschichte der chinesischen Philosophie: Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus