
Sehr anregend - Eins vorweg: Die Leipziger Vorlesungen sind zwischen 1950 und 1957 in der DDR entstanden. Im Vorwort ist vermerkt, dass Blochs Vorträge vor allem aus dokumentarischen Gründen veröffentlicht wurden. Damit deutet sich ein Problem an: Der Verfasser bzw. der Vortragende ist ein Marxist, was insofern problematisch ist, als der Marxismus zumindest meiner Generation völlig fremd ist. Begriffe wie Überbau passen nicht mehr in unsere Zeit - und dass Bloch Joseph Stalin als ein Bild des stoischen Weisen präsentiert, stößt übel auf.Aber: Der Marxismus tritt meines Erachtens nicht allzu dogmatisch auf. Über die entsprechenden Passagen kann man hinwegsehen - außerdem ist nicht alles falsch, was im Marxismus vorkommt. Bloch referiert über die Geschichte der Philosophie, und seine Sprache ist so anschaulich, die Didaktik ist teilweise so hervorragend, dass viele philosophischen Probleme verständlich werden. Manche Dinge sind mir erst durch die Lektüre der Vorlesungen klar geworden.Im vierten Band schreibt bzw. sagt Bloch, einen großen Philosophen erkenne man daran, dass sich seine Gedanken auf wenige Grundsätze reduzieren lassen, wenn einmal der Groschen gefallen sei. Hier fällt nicht nur ein Groschen, sondern eine ganze Münzsammlung.An alle Leser, die nach einer objektiv gültigen Einführung suchen: So etwas gibt es ohnehin nicht. Halten Sie sich an Bücher, die das eigene Denken anregen. Bloch Leipziger Vorlesungen gehören bestimmt dazu.